Waltraud Kleinau-Ritter

WaltraudIch bin Waltraud Kleinau-Ritter, geb. Kleinau. Geboren wurde ich in Bad Homburg vor der Höhe, wo ich an der Volksbühne im Weihnachtsmärchen Aschenputtel zum ersten Mal als Drittklässlerin auf der großen Bühne stand. Da meine Eltern dort sehr engagiert mitarbeiteten, hielt ich mich schon so lange ich denken kann immer wieder im Theater auf und konnte in aller Ruhe die Garderoben und Umkleiden, die Lagerräume für Requisiten und Kostüme, die Kulissen, die vielen geheimnisvollen Gänge und Verbindungen und manchmal sogar die absolut verbotene Technikbrücke erforschen. Ich erinnere mich heute noch an die Düfte in den Garderoben, am nachdrücklichsten ist mir der Duft des Puders in Erinnerung geblieben. Ich sah Proben, Generalproben und gelegentlich auch die richtig großen Aufführungen mit Publikum und habe die Liebe zu den Brettern, die die Welt bedeuten können, sozusagen mit der Muttermilch ganz tief in mich aufgesogen.

Heute, über 40 Jahre später, weiß ich, dass es zum Theater spielen keine Bühne braucht, sondern dass es eigentlich überall möglich ist. Ich spiele seit vielen Jahren Straßentheater und auf der Bühne beim Verein „Eine Stadt spielt Theater e.V.“, bei der Theatergruppe des Mittelaltervereins, ich habe mit Hans Schwab in der Klosterruine Konradsdorf gespielt und als Kolumbine sowohl Gäste durch Büdingen geführt als auch private Feierlichkeiten thematisch passend begleitet und mit kleinen Szenen aufgelockert. Auch gelegentliche Auftritte als Märchen- und Geschichtenerzählerin sowie Mittelalter-Tanzauftritte mit den Danze-Liut trugen zu meinem Repertoire bei.

Am meisten liebe ich es, einfach mal jemand ganz anderes sein zu können. Das Improvisieren, also eine stimmige, vielschichtige und glaubhafte Rollenpersönlichkeit zu entwickeln und dann über eine längere Zeit, gerne im direkten Kontakt mit dem Publikum, als diese zu denken, zu handeln und zu reagieren, auf Einwürfe und Unvorhersehbares spontan und kreativ einzugehen, ist für mich persönlich die interessanteste und spannendste Form, Theater zu machen.

Folgerichtig spiele ich jetzt in einer Straßentheaterproduktion unseres Vereins NolensVolens, in Kröten, Keiler, Vensterhennen, die Vensterhenne Afra. Das Stück entführt die Zuschauer in die Vergangenheit der Stadt Büdingen, wir tauchen in die mittelalterlichen Gassen ein und mit Spaß und Spannung kann man einiges über Alltag und Gepflogenheiten unserer Vorfahren lernen. Afra ist eine arme Frau, die um der Liebe willen aus dem Ausland einem Mann nach Büdingen gefolgt ist, der allerdings verstarb, ohne sie zu ehelichen. Nun fristet sie notgedrungen ihr karges Dasein als Wahrsagerin und Vensterhenne. Ihre finanziellen Sorgen und ihre andauernden Probleme mit der Obrigkeit können ihr jedoch nicht ihren Lebensmut, ihr Temperament und ihr loses Mundwerk nehmen.

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